[Rezension] 66 Bücher, von denen alle sagen, dass du sie gelesen haben musst … | Alexandra Fischer-Hunold

66 Bücher, von denen alle sagen, dass du sie gelesen haben musst ...

PB | Fischer Verlag| 336 Seiten | 12,99€ | 978-3-7335-0279-9 | ET 22.07.2017 | REX


Inhalt 

Ein Lehrer/Dozent: »Die Werke von Thomas Mann haben Sie ja sicher alle gelesen.«
Ich sage: »Oh ja, natürlich, schon zweimal!«
Ich denke: »Oh mein Gott nein, ich weiß nicht mal im Entferntesten worum es geht!«
Der Ausweg aus dieser Misere: Ein Buch, in dem 66 Bücher zusammengefasst werden! Klingt unmöglich? Ist es aber nicht. Wieso hat der junge Werther noch mal gelitten? Und warum sind die Buddenbrooks pleite gegangen? Diese und noch viel mehr Fragen beantwortet die Literaturwissenschaftlerin Alexandra Fischer-Hunold gleichermaßen amüsant wie fundiert. Ob Abenteuer, Unterhaltung, Drama, Krimi oder Fantasy – endlich kannst du mitreden, wenn es um Romane geht, von denen alle behaupten, dass du sie kennen musst. 
Alexandra Fischer-Hunold hat Germanistik und Anglistik studiert, sie weiß also wovon sie spricht. Die Texte sind absolut hieb- und stichfest, dabei aber kurzweilig und lustig. Das unterhält und macht Lust auf mehr!  Quelle 


Rezension

Die Idee hinter diesem Buch steckt schon im Titel, auf jeden Fall aber im Klappentext: Es gibt Bücher, von denen immer wieder behauptet wird, dass man sie unbedingt gelesen haben muss. Dass an diesen Büchern kein Weg vorbei führt, wenn man etwas auf sich hält. Insbesondere, wenn man etwas in Richtung Literatur studiert oder sich in der Schule mit Lektüren befassen muss, werden einem bestimmte Bücher immer wieder vorgeführt. Wenn man dann nicht mitsprechen kann, kann es ungemütlich werden. Die meisten Schüler und Studenten haben sicher schon einmal eine Zusammenfassung im Internet gelesen, anstatt sich über das geforderte Werk herzumachen (mich eingeschlossen). Alexandra Fischer-Hunold hat in diesem Buch einige dieser ständig erwähnten Bücher aufgelistet – mit inhaltlicher Zusammenfassung, Hintergrundinfos zum Autor, interessanten Anekdoten zum passenden Titel und ein paar Leseempfehlungen, falls man auf den Geschmack gekommen ist.

Im Leistungskurs Deutsch habe ich unter anderem Theodor Fontanes Effi Briest lesen dürfen (müssen). Dieses Buch ist für mich eine einzige Qual gewesen und ich habe nach den ersten Kapiteln beschlossen, mich auf die Zusammenfassungen aus dem Internet und meiner Sitznachbarn zu verlassen. Das hat zwar kurzfristig funktioniert, aber bis jetzt hatte ich keine Ahnung, worum es wirklich in dieser Geschichte gegangen ist. Ich fand es also sehr schön, dass in 66 Bücher … auch Effi Briest vorgestellt wird. Tatsächlich habe ich mich an viele Dinge erinnert („Das ist ein weites Feld.“), aber manche Zusammenhänge und insbesondere das Ende hatte ich schon wieder vergessen. Auch die eigentliche Botschaft dieser Geschichte ging damals vollkommen an mir vorbei. Zur Auffrischung von gefährlichem Halbwissen eignet sich 66 Bücher … also schon mal.

Dann gibt es aber auch viele Klassiker (und nicht ganz so alte Bücher), von denen ich schon viel gehört habe, an die ich mich aber bisher nicht herantraute. Zum Beispiel Charles Dickens’ Große Erwartungen. In Englisch haben wir mal ein paar Szenen im Comicformat besprochen, aber das ist A) eine sehr schwammige Erinnerung und B) glaube ich kaum, dass das dem Original gerecht wird. Und ich muss sagen, ich bin jetzt fast neugierig genug, um das Buch selbst lesen zu wollen.

Sherlock Holmes, Jane Eyre, die Buddenbrooks, Frühstück bei Tiffany oder auch Unterleuten, ein Buch aus dem Jahr 2016 und damit das neueste der Sammlung – in 66 Bücher … kommen viele verschiedene Bücher und Geschichten zum Vorschein, die sich vielleicht schon jahrelang am Rande meiner Wahrnehmung herumgedrückt haben. Einige kenne ich bereits (zum Beispiel Effi Briest, Der Herr der Ringe, Der Vorleser oder Dracula) und von anderen habe ich noch nie gehört.

Durch den amüsanten Schreibstil und ihre frische, begeisterte Art schafft es Alexandra Fischer-Hunold immer wieder, mich zu animieren, doch selbst mal nach diesen Büchern zu greifen.

Sehr gut gefällt mir, dass die einzelnen Kapitel in Abschnitte unterteilt sind. So kann man selbst entscheiden, ob man einen Spoiler in Kauf nehmen möchte oder nicht und kann auch schnell zum Text über den Autor oder zu den Anekdoten springen, wenn man sich nicht wirklich für das Buch selbst interessiert. Es ist für jeden etwas dabei. Die Bücher sind thematisch sortiert, sodass man auch schnell stöbern kann, wenn man das Kapitel durchgelesen hat, nach dem man gesucht hatte. Am Ende gibt es noch ein Register, sodass nach Stichworten oder Personen gesucht werden kann. Beispielsweise wird Stephen Spielberg aufgeführt. Er hat ja nun kein Buch geschrieben, von dem alle sagen, dass man es gelesen haben muss – aber er hat mit Patrick Süskinds Das Parfüm vergeblich versucht, eines zu verfilmen …

Das ganze Buch ist sehr modern aufgemacht. Das Innere lädt mit seinen blauen Linien und den breiten Seitenrändern zum Notieren von Gedanken und Ideen ein – und laut Nachwort ist das genau der Zweck des Designs. Man kann also (auch wenn es mich irgendwie davor graust) direkt zu dem jeweiligen Bucheintrag schreiben, ob es einem gefallen hat oder was beim Lesen störte, welche Gedanken man sich bei der Lektüre gemacht hat. Am Ende gibt es auch noch ein paar leere Seiten zu genau diesem Zweck. Passend dazu ist das Cover gestaltet: Es erinnert an eine Nachrichtenapp fürs Handy und greift damit unsere Zeit auf – und spricht zweifellos die richtige Zielgruppe an. (Ich muss gestehen, dass mir das Coverdesign erst auffiel, als ich das Buch zuhause liegen hatte – ich bin mit den iPhone-Optiken nicht so vertraut …)


Fazit

Insgesamt ist 66 Bücher … eine tolle Sammlung von Zusammenfassungen und Anekdoten, die in den verschiedensten Situationen zur Hand genommen werden kann: Wenn wieder mal ein Dozent von einem Buch spricht „das man gelesen haben muss! Was habt ihr nur euer ganzes Leben getrieben?!“ Wenn die Eltern von einem Klassiker schwärmen, den sie damals in der Schule lesen mussten: „Und was lernt ihr heute so? Was? Das ist doch kein Klassiker! Bei uns früher …“ Oder wenn man einfach nicht weiß, was man als nächstes lesen soll und ein bisschen Inspiration braucht (Okay, uns Leseratten passiert das selten bis nie – aber manchmal ist ein bisschen Hilfe nicht verkehrt, oder?). Und man kann damit Freunde und Familie auf Herz und Nieren testen – wissen sie wirklich über so viele Bücher Bescheid, oder sind auch sie einfach nur fit im Umgang mit ihrem Halbwissen?


Fragerunde

  1. Welches Buch sollte man, eurer Meinung nach, unbedingt gelesen haben?

Andere Meinungen


© Henrike Renken für WatchedStuff – Juli 2017

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4 Kommentare zu “[Rezension] 66 Bücher, von denen alle sagen, dass du sie gelesen haben musst … | Alexandra Fischer-Hunold

  1. Hallo Henrike,
    ich habe vor Jahren mal Schwanitz‘ ,,Bildung – Alles was man wissen muss“ gelesen, in dem auch ,,die wichtigsten Werke der Weltliteratur“ vorgestellt wurden. Das hat mich dann dazu gebracht, mir wirklich ein Buch nach dem anderen vorzunehmen. Bei vielen konnte ich bisher gut verstehen, warum sie als so wichtig und lesenswert gelten – bei einigen auch gar nicht. Effi Briest hat mir damals auch nicht sonderlich gut gefallen, aber ich hab’s einfach schnell hinter mich gebracht ;-).
    Viele Grüße, Jana

    Gefällt 1 Person

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