[Rezension] Sind die Medien noch zu retten? | Thilo Baum, Frank Eckert

Sind die Medien noch zu retten

PB | Midas Verlag | 422 Seiten | 17,90€ | 978-3907100882 | ET 20.03.2017 |


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Inhalt 

Immer mehr Menschen beklagen, was sie sehen, hören und lesen. Die Medienkritik nimmt zu – bis hin zum Vorwurf der „Lügenpresse“. Doch welche Kritik ist berechtigt und welche nicht? Zwei Journalisten analysieren die Publizistik der Gegenwart und finden zahlreiche Verstöße gegen das journalistische Handwerk. Die Medien sind zu retten, ja – wenn sich Journalisten aufs Handwerk zurückbesinnen. Mehr berichten statt polemisieren, Bericht und Kommentar trennen, Journalismus machen statt Politik – all das sind die Forderungen. Solange Medien sich daran nicht halten, tragen sie massiv zum Rechtsruck in der Gesellschaft bei. Ein Buch für Medienmacher und Mediennutzer. Denn guter Journalismus ist heute so wichtig wie kaum zuvor. Quelle


Rezension

Dieses Buch wurde mir von BloggdeinBuch zur Verfügung gestellt und ich gestehe – diese Rezension habe ich vor mir hergeschoben. Ich wusste einfach nicht recht, wie ich meine Gedanken hierzu in Worte fassen sollte, mal ganz davon abgesehen, dass ich im letzten Monat jede Menge andere Dinge zu tun hatte (Vollzeitpraktikum, Umzug, …) . So hatte ich aber jede Menge Zeit, um intensiv über Sind die Medien noch zu retten? nachzudenken. Meine Antwort auf die titelgebende Frage: Ja, sie sind noch nicht verloren. Die Medienmacher machen es den Mediennutzern aber nicht leicht.

Der erste Eindruck macht ja bekanntlich viel aus. Ich war von Anfang an beeindruckt von den Quellenangaben: Dieses Buch liest sich wie eine Seminararbeit, mit Fußnoten und allem Drum und Dran. Auch der Stil passt zu einer solchen Arbeit. Das ist natürlich Geschmackssache – mein Fall war es allerdings nicht wirklich. Da ich dieses Buch aber auch nicht ausgesucht habe, weil ich unterhalten werden, sondern weil ich etwas lernen wollte, habe ich anfangs über die etwas anstrengende Lesart hinweg gesehen. Das wurde zunehmend schwieriger. Ich hatte das Gefühl, ich komme vom Hundertsten ins Tausendste: Ein Beispiel nach dem anderen, ein Argument nach dem anderen, eine These nach der anderen. Ich habe schlicht den roten Faden stellenweise überhaupt nicht mehr erkennen können. Das ist bei einer Arbeit mit einem solchen Umfang nicht überraschend; dadurch, dass sie aber wie eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben wurde und nicht als Sachbuch oder Publikumstitel, stört das schon recht erheblich.

Sind die Medien noch zu retten? befasst sich, wie der Untertitel Das Handwerk der öffentlichen Kommunikation schon sagt, mit dem Journalismus. Dass die beiden Autoren Journalisten sind, sollte man also nicht außer Acht lassen, obwohl sie ihren Berufsstand oftmals harsch kritisieren. So sachlich einem der Text also erscheinen mag, es handelt sich hierbei dennoch um persönliche Meinungen. Das wird, was ich gut und richtig finde, durch Formulierungen wie „Wir finden, dass …“ verdeutlicht – für den Fall, dass doch mal ein Leser nicht so aktiv mitdenkt, wie von ihm erwartet wird. Überhaupt wird in diesen Ausführungen das Argument angeführt, die Leser von Zeitungen und Zeitschriften oder Nutzer von Medien generell seien nicht so dumm, wie die Medienmacher gern annähmen. Von Polarisierung ist die Rede und von politischer Korrektheit, vom richtigen Gebrauch von Vokabeln wie „Lügenpresse“, „Wutbürger“, „Fake News“ und „Jedem das Seine“.

Politik ist ein Thema, das mir keinen Spaß bereitet, das aber natürlich wichtig in unserem Alltag ist und damit auch in unseren Medien. Kaum ein Medium kann von sich behaupten, absolut neutral an die Welt und ihre Nachrichten heranzugehen. Baum und Eckert kritisieren unter anderem, dass der Fokus von Medienmachern und -nutzern oft zu sehr auf rechtsextremen Äußerungen und Medien liegt, als auf denselben Extremen linker Hand. Dass rechts nicht automatisch rechtsextrem bedeutet. Dass die Begriffe der NS-Propaganda heute nicht mehr zwangsläufig in diesem Zusammenhang verstanden werden müssen, aber leider auch ziemlich kontextlos verwendet werden, sodass die ursprüngliche Bedeutung in Vergessenheit geraten kann.

Es gibt zu viele Argumente auf dem Weg zur Antwort auf die titelgebende Frage, um sie hier aufzuführen. Grundsätzlich, so finde ich, ist dieses Buch eine gelungene Ansammlung an Argumenten und neuen Fragestellungen, um dem Leser ein bisschen Material an die Hand zu geben. Die Autoren beantworten die Frage in ihrem Nachwort für sich, doch meiner Ansicht nach sollte sich jeder Leser selbst eine Meinung zu diesem Thema bilden.

Es geht in erster Linie nicht um die Frage, ob die Medien noch zu retten sind, sondern vielmehr darum, wie man mit den Medien, die man heute vorgesetzt bekommt, umgehen muss. Dass die Antwort auf diese Frage ein deutliches „sehr vorsichtig“ ist, sollte inzwischen doch jedem klar sein.

3

Fazit

Sind die Medien noch zu retten? beinhaltet viele interessante Beispiele und spricht wichtige Punkte an – das allerdings zu langatmig und zu wenig auf den roten Faden konzentriert. Es fiel mir sehr schwer, interessiert dabei zu bleiben.


Fragerunde

  1. Wie denkt ihr über Begriffe wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ oder Redewendungen wie „Jedem das Seine“?

Weitere Rezensionen

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© Henrike Renken für WatchedStuff – Juli 2017

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