[Rezension] Verlorene Welt. Bitter & Sweet 3 | Linea Harris

Bitter+Sweet 3 Rezension

TB | Piper Verlag| 384 Seiten | 12,99€ | 978-3-492-70423-6 | ET 03.04.2017 | REX


Erste Worte 

»Mach ihn auf.« Ich ignorierte die nervige Stimme an meinem Ohr und versuchte, mich wieder auf das Buch zu konzentrieren. »Jetzt mach ihn endlich auf, Jill«, rief Conchobhar erneut, und mit einem Satz landete er auf den mitgenommenen, vergilbten Seiten meines Romans. Leseprobe


Inhalt 

Nur ihre Magie kann die Welt retten.

Kurz vor dem Ende der Sommerferien bekommt Jillian einen besorgniserregenden Brief von der Verborgenenorganisation. Sie wird zu einer Anhörung vorgeladen, bei der geklärt werden soll, ob sie eine Hexe oder ein Dämon ist. Und ihr Leben wird noch komplizierter, als das dritte Schuljahr an der Winterfold Akademie beginnt. Jillians Exfreund Ryan geht ihr offensichtlich aus dem Weg und ist zudem immer häufiger mit einer hübschen Vampirin zu sehen, die Jillian das Leben schwer macht. Plötzlich taucht ein Gerücht auf, das die ganze Akademie ins Chaos stürzt und Jillian zum Verhängnis werden könnte. Währenddessen plant der dunkle Dämonenfürst Leviathan bereits seinen nächsten Schachzug, um die Welt unter seine dunkle Herrschaft zu stürzen … Quelle 


Rezension

Der letzte Band einer Trilogie hat immer zwei verschiedene Aspekte: Einerseits ist es eine wehmütige Angelegenheit, eine Reihe zu beenden und den Figuren, die man über mehrere Hundert, wenn nicht gar durch tausende Seiten begleitet hat, wahrscheinlich nie wieder zu begegnen. Andererseits ist es ein tolles Gefühl, eine Reihe zu beenden. Man bekommt den Kopf frei für neue Geschichten und neue Charaktere können einem ans Herz wachsen. Das heißt nicht, dass die Reihe vergessen werden soll. Ein Blick ins Regal und ein Streichen über den Buchrücken reichen aus, um die Erinnerungen wieder an die Oberfläche zu locken. Vermutlich wird es mir jedenfalls mit Bitter & Sweet 3 –Verlorene Welt von Linea Harris so gehen.

Als ich damals den ersten Band in der Hand hatte, fielen mir viele Parallelen zu Jennifer Esteps Mythos Academy auf. Jetzt, rückblickend und kurz nach der Lektüre dieses Trilogieabschlusses, überwiegen die Unterschiede, nicht die Gemeinsamkeiten, und ich bin froh, diese Reihe nicht abgebrochen zu haben, weil sie einer anderen zu sehr ähnelte. Natürlich gibt es noch immer Dinge, bei denen jeder einzelne Buchstabe „Kopie!“ schreit – zum Beispiel Jillians kleiner dämonischer Begleiter, der doch sehr an das sprechende Schwert Vic erinnert oder die Freundesgruppe, die gegen das Böse antreten muss und dabei auch mal dem Schulsystem und seiner Exekutive gegenüber steht.

Jillian ist eine starke Heldin, und das stört mich ein bisschen. Sie hat Freunde, die ihr den Rücken stärken, sie hat eine liebende Familie hinter sich (zumindest den Teil ihrer Familie, der noch lebt) und ein Schicksal, das sie besonders macht. Sie hat Kräfte, die denen der anderen haushoch überlegen ist und durch die sie sich von allen anderen unterscheidet. Sie hat eine Aufgabe, die sie sich selbst auferlegt hat und die sie möglicherweise das Leben kosten wird. Es ist eben eine 08/15-Mixtur, wie sie in jedem Fantasyroman für Jugendliche heute zu finden ist. Gleichzeitig gefällt es mir so besser, als wenn sie eine schwache Persönlichkeit hätte, ständig einknicken und sich von anderen vorschreiben lassen würde, wie sie ihr Leben zu gestalten hat. Ich habe also eine etwas zwiegespaltene Meinung zu unserer Protagonistin.

Die Beziehung zu ihrem Vampir ist etwas, das ich nicht recht begreife. Sie finden sich gegenseitig toll, können aber nicht zusammen sein, weil er als Vampir ihre Arterien etwas lieber mag als ihre Persönlichkeit. Dann haben sie eine gemeinsame Nacht (sie schlafen einfach nur nebeneinander) und die zwei Bände Drama sind vergessen und vergeben? Das kann doch irgendwie nicht sein. Das ist zu einfach!
Dass Jillians Bruder eine größere Rolle bekommt, gefällt mir sehr. Er ist eben neben Jillian der einzige, der versteht, was es bedeutet, als Dämon auf der Erde herumzulaufen und dieses Geheimnis vor jedem zu bewahren, der einem generell etwas Böses will – oder für die Regierung arbeitet und deshalb versuchen könnte, einen wegzusperren oder eine Laborratte aus einem zu machen. Dadurch und natürlich auch, weil er Familie ist, ist er für Jillian sehr wichtig. Da ist es nur recht und billig, dass er jetzt mehr zu sagen hat.
Die Freunde – ich nenne sie einfach mal als Gruppe und nicht als einzelne Charaktere, denn, mal ehrlich, so toll die Figuren auch individuell beschrieben und charakterisiert sein mögen, sie dienen ja doch nur als Rückendeckung für Jill.
Baal erscheint nicht nur als Dämon und Bösewicht, sondern nimmt in diesem Band seine Rolle als Vater ein – zumindest zeitweilig. Diese Kapitel gefielen mir sehr, denn es gibt so einige Dinge, die Jill von ihrem Vater vererbt bekommen hat, wie mir scheint …

Die Handlung drehte sich in diesem abschließenden dritten Band von Bitter & Sweet um die Auswirkungen, die die Enthüllung von Jillians Dämonenkräften nach sich zieht. Wer steht auf ihrer Seite, wem kann sie vertrauen, wie gehen die Menschen damit um, einen Dämon in ihrer Mitte zu haben? Insgesamt finde ich den Inhalt etwas lasch; ich hätte mir mehr Wendungen gewünscht. Andererseits wird erstmals die Dämonenwelt intensiver beschrieben und das nimmt eben Raum ein. Wenn man dann das Buch nicht um 200 Seiten verlängern will, wird es schwierig, mehr Stoff zwischen die Seiten zu pressen. Das Finale, das lange auf sich warten ließ, das allerdings leider auch etwas vorhersehbar war, hat der Bitter & Sweet-Reihe schlussendlich die Krone aufgesetzt und sie für mich zufriedenstellend beendet. Ich bin nicht traurig, dass die Reihe ihr Ende gefunden hat, sondern eher, wie eingangs schon beschrieben, erfreut, dass ich mich jetzt anderen schönen Büchern widmen kann.


Fazit

Die Zeit mit Jillian und ihren Freunden war schön und ich werde mich lächelnd an sie erinnern.


4

(Ich würde Verlorene Welt gern mit 3,5 bewerten, aber ich mache keine halben Sachen …)


Fragerunde

  1. Kennt ihr die Reihen Bitter & Sweet und Mythos Academy? Was haltet ihr von den Parallelen?
  2. Wie fühlt ihr über das Beenden von Buchreihen – ist es eher Freude oder Trauer?

Reihenübersicht

  1. Mystische Mächte
  2. Geteiltes Blut
  3. Verlorene Welt

Weitere Rezensionen


© Watchedstuff – Henrike Renken – Mai 2017

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2 Kommentare zu “[Rezension] Verlorene Welt. Bitter & Sweet 3 | Linea Harris

  1. Hallo,
    eine fesselnde Rezension, obwohl ich die ersten beiden Bände nicht kenne.
    Das Beenden einer Reihe ist – bittersüß. Schön und traurig zugleich. Die Erleichterung – es ist vollbracht! Aber gleichzeitig eben auch traurig, wenn sie wirklcih gut war, was soll man jetzt blos lesen? 😀
    Gruß
    Daniela
    #litnetzwerk

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