[Reihentipp] Mercy Thompson von Patricia Briggs

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Warum stelle ich diese Reihe vor?

  1. Weil ich euch so langsam mal wieder einen Reihentipp schulde… Shame on me. Außerdem halte ich hiermit meinen Ein-Monats-Rhythmus der Tipps ein, den ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe.
  2. Weil sie sich innerhalb kürzester Zeit zu einer meiner Lieblingsreihen gemausert hat: Ich habe die ersten paar Bände innerhalb einer Woche verschlungen.
  3. Um Gleichgesinnte zu suchen – bisher ist mir niemand begegnet, der diese Reihe ebenfalls gelesen hat.
  4. Damit ihr in den Genuss von Mercys Humor und Briggs‘ toller Schreibweise kommen könnt.


Worum geht es überhaupt?

Diese Urban Fantasy-Reihe dreht sich um die Protagonistin Mercedes „Mercy“ Thompson. Sie ist indianischer Abstammung und hat die Fähigkeit, die Gestalt eines Kojoten anzunehmen. Weil ihre Mutter damit nicht zurechtkam, hat sie sie als junges Mädchen zu einem Rudel Werwölfe gebracht, das sie aufgezogen hat. Dadurch in Berührung mit der nicht ganz menschlichen Welt gekommen, hat Mercy Kontakte überall: Bei den Werwölfen, Vampiren, Feenwesen, Hexen. Sie kommt damit zurecht, versucht aber ein möglichst normales Leben zu führen. Deshalb hat sie vom Gremlin Zee eine Autowerkstatt gekauft und in Mercy’s Garage umbenannt, nachdem sie sich auf VWs spezialisiert hat. Sie lebt in einem Trailer in unmittelbarer Nachbarschaft zu Adam, dem Alpha des ortsansässigen Werwolfrudels, mit dem sie sich ein ständiges Kräftemessen liefert: Um ihn zu reizen stellt sie beispielsweise ein schrottreifes Autowrack in ihrem Garten auf, in direktem Sichtfeld ihres Nachbarn. Jedes Mal, wenn er sich ihr gegenüber unmöglich benimmt, montiert sie einen Reifen ab oder sprüht das rostige Auto farbig an. Sie weiß inzwischen, wie man mit Alphas umspringen muss…

Im ersten Band wird die Tochter des Alphas entführt, in den folgenden Bänden spielen Vampire, Hexen, Feenwesen und viele andere Dinge große Rollen. In kleineren Auftritten sind diese „Rassen“ aber omnipräsent. Es geht um das Miteinander dieser Figuren.


Warum gefällt mir diese Reihe so sehr?

Es muss ja irgendwelche Gründe dafür geben, dass ich Mercy Thompson so mag. Ich versuche mal, das irgendwie in Worte zu fassen. Ich zitiere zweimal aus meinen eigenen Rezensionen, denn ich finde meine alten Formulierungen einfach gut! 🙂

Starke Charaktere

Damit meine ich nicht nur, dass die Protagonisten ordentlich zuschlagen können (was durchaus der Fall ist), sondern auch und insbesondere, dass sie eindrucksvoll ge- und beschrieben sind, dass sie richtig echt und lebendig wirken. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter, sodass es eigentlich immer irgendwo einen Konflikt gibt. Sie spielen aber auch gut zusammen, lenken nicht von der Haupthandlung ab. Wobei ich die Haupthandlung schon eher darin sehen würde, wie die Figuren miteinander zurecht kommen. Alles andere ist nur das Drumherum, um den Charakteren etwas zu tun zu geben. Ich mag es einfach, wenn man die Figuren beim Lesen wirklich kennen lernen kann und es sich anfühlt, als sei man wirklich dabei und als hätten diese Figuren eine richtige Bedeutung im eigenen Leben. Das ist hier absolut der Fall.
Mercy ist eine starke Frau, die bisher kein leichtes Leben hatte, aber damit mittlerweile sehr gut zurechtkommt. Sie findet nach und nach ihren Platz in der Welt und hat eine tolle Persönlichkeit. Ihre VW-Werkstatt ist für mich einer der ersten Pluspunkte gewesen, die diese Reihe aufzuzeigen hat. Ach, und nebenbei kriegt sie ihr Dasein als gestaltwandlerische Kojotin auf die Reihe und streitet sich gern mit ihrem wölfischen Nachbarn. Adams Rudel als Gesamtheit ist wie eine Familie, die sich gern mal streitet (was sich bei Wölfen eben mal in Gewaltausbrüchen äußern kann), aber im Grunde ziemlich lieb hat. Die einzelnen Wölfe sind aber sehr unterschiedlich, vom insgeheim Schwulen über die bissige eventuelle Rivalin zum Alpha, der eine Sicherheitsfirma leitet und „ab und zu“ mit seinem Beschützerdrang über die Stränge schlägt. Die Vampire folgen zwar ein paar Klischees, aber Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Die Feenwesen finde ich herrlich: sie sind nicht niedlich oder zu sehr romantisiert, sondern entsprechen eher den beispielsweise irischen Sagen und Legenden. Die „normalen“ Menschen spielen selbstverständlich auch eine Rolle, aber eher in Beziehung zu unseren Hauptfiguren.

Mercy ist taff, willensstark und auch körperlich in der Lage, sich den großkotzigen und kontrollsüchtigen Wölfen zu widersetzen, Adam ist einfach nur hinreißend, obwohl es ihm wohl nicht gefallen würde, wenn er das hier mitbekäme, Samuel ist in Ordnung, aber wegen der Vergangenheit mit Mercy ist er bei mir unten durch (auch, wenn ich seine Beweggründe verstehe), Jesse ist herrlich in ihrer Teenagerphase und Zee und Stefan mag auch auch sehr. Die ganze Konstellation ist irgendwie echt: Nicht aufgesetzt, nicht zu übertrieben übernatürlich, nicht zu übertrieben normal. Meine Rezension zu Band 1

Toller Fantasy-Mix mit wenigen nachvollziehbaren Klischees

Wenn man sich heute im Urban Fantasy-Bereich umschaut, sieht man an vielen Stellen das gleiche Bild. Welches, möchte ich jetzt nicht beschreiben, aber vermutlich habt ihr alle irgendeine Geschichte vor Augen, die das Genre eurer Meinung nach perfekt beschreibt und quasi als Muster verwendet werden könnte. Und dann gibt es Mercy Thompson. Patricia Briggs verknüpft viele fantastische Wesen in einer einzigen Geschichte, was ihr mühelos gelingt. Das ist eine Seltenheit. Die meisten Bücher, in denen man Vampire und Werwölfe und Feen und Hexen und Gestaltwandler und noch ein paar weitere „Rassen“ aufeinanderprallen lässt, gehen in dem Versuch unter, das zu verbinden und eine nachvollziehbare Rahmenhandlung zu erschaffen. Es ergibt einfach zu oft keinen Sinn, dass all diese Wesen in einer Geschichte stecken. Hier ist aber das Gegenteil der Fall. In meiner Rezension zum ersten Band habe ich es ganz treffend formuliert:

Die Rassen sind nicht verfeindet miteinander, können sich aber auch nicht sonderlich gut leiden. Es geht nicht darum, dass Vampire und Werwölfe sich gegenseitig auslöschen wollen, sondern die grobe Rahmenhandlung dreht sich darum, wie sich die übernatürliche Welt nach und nach den Menschen zeigt, um diese nicht zu verschrecken und so gegen sich aufzubringen. Es geht um das Miteinander. Und nebenbei natürlich noch um so Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass […] sowieso alle versuchen, die schraubenzieherschwingende Nachbarin zu unterdrücken. Quelle

Natürlich gibt es Klischees, die bedient werden: Vampire sind sowohl wort- als auch sprichwörtlich Blutsauger und man kann den meisten nicht trauen; Feenwesen sollte man schon gar nicht trauen, es sei denn, man weiß, auf welche Worte man achten muss, und sie altern auch nicht wie normale Menschen; Werwölfe schlagen sich gern gegenseitig die Köppe ein, sind aber eigentlich auch ein ziemlich harmoniebedürftiger Haufen, und sie verstehen sich grundsätzlich nicht mit Vampiren; Menschen haben absolut keine Ahnung und sind die Schwächsten in der Gleichung. Aber diese Klischees ergeben Sinn in Kombination mit der restlichen Handlung. Ich hoffe, diese Formulierung ergibt Sinn für euch… Es geht eben nicht nur darum, diese Klischees zu porträtieren und die Rassen gegeneinander auszuspielen, sondern eher darum zu zeigen, was noch alles hinter der klischeebelasteten Fassade dieser Fantasiewesen steckt.
Eine wichtige Rolle spielt auch Mercys indianische Herkunft, die ich aber an dieser Stelle nicht zu sehr ausführen werde, um Spoiler zu vermeiden. So viel sei aber gesagt: Es gibt Schamanen, die ums Feuer tanzen, genau so aber auch Teenager in Jeans und T-Shirt. Und das ist absolut richtig an den entsprechenden Stellen! Es wäre komisch, wenn dem nicht so wäre.

Mercy’s Garage

Eine VW-Werkstatt in den USA. Ich habe keine Ahnung, wie alltäglich dieses Bild tatsächlich auf der anderen Seite des Atlantiks ist, aber als ich das erste Mal diese Worte gelesen hatte, dachte ich zuerst, dass man während des Übersetzens irgendeine amerikanische Automarke durch unser deutsches Aushängeschild ersetzt hätte. Falsch gedacht. Mercy, was übrigens die Kurzform von Mercedes ist, hat sich auf Volkswagen spezialisiert. Ich liebe dieses Wortspiel noch immer… Sie hat die Werkstatt von einem Gremlin gekauft, der sie ziemlich gut leiden kann, obwohl seine Rasse eigentlich niemanden leiden kann. In Mercy’s Garage schraubt sie dann unter anderem an Klassikern herum, wie sie es nennt, um sie zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen, führt aber auch alltägliche Reparaturen aus. Und arbeitet an der Mystery Machine von einem befreundeten Vampir. Ich liebe diese Reihe, hatte ich das schon erwähnt..?

Humorvoller Schreibstil

Wie schon die Ironie von Mercys Namen und ihrem Job gibt es einige Wortspiele in dieser Reihe, die mich immer wieder während des Lesens zum Lachen brachten. Die Autorin Patricia Briggs hat Geschichte und Deutsch studiert, kennt sich ein bisschen in unserer Kultur aus. Dass Mercy sich also auf deutsche Wagen spezialisiert hat und Zee eine ganze Weile in Deutschland gelebt hat, ist kein Zufall. Was mir aber am besten gefällt, ist die Menge an deutschen Sprichwörtern oder auch mal Flüchen, die geschickt in die Handlung eingewoben sind. Natürlich fallen sie nicht so sehr auf, wenn man die Romane in der Übersetzung, die dann ja eh schon auf Deutsch ist, liest und nicht im Original, in denen dann die Zitate tatsächlich auf Deutsch stehen, aber sie passen jedes Mal wie die Faust aufs sprichwörtliche Auge. Der gesamte Stil dieser Reihe ist aber auch sehr amüsant. Mal sind es kauzige Figuren, mal Situationen, in denen ich beim Lesen nicht mit dem Lachen aufhören konnte, mal die Reaktion einer Figur auf die Aktion einer anderen. Die Figuren wirken echt, wie ich oben schon beschrieben habe. Ich konnte mir zum Beispiel die Gesichtsausdrücke der Figuren perfekt vorstellen. Das liegt nicht daran, dass die Gesichter so genau beschrieben wären, dass jegliches Kopfkino vorweggenommen würde, sondern an der Beschreibung der Situation. Ich habe mir also nicht unbedingt die Gesichtszüge, sondern wirklich die Emotion, die jemand in einer bestimmten Situation zur Schau gestellt hat, vorgestellt. Das ist meiner Meinung nach selten in der aktuellen Urban Fantasy. Abgesehen von den tollen Situationsbeschreibungen und den Wortspielen ist aber auch der gesamte Schreibstil humorvoll und voller Witz. Ich möchte nicht sagen, dass die Figuren sich selbst nicht zu wichtig nehmen, aber man könnte es schon fast so formulieren. Ach, ich kann das einfach nicht in Worte fassen.

Gesamtpaket

Was kann ich jetzt noch sagen? Es ist im Grunde das Gesamtpaket: Tolle Charaktere, die nicht nur in ihren Worten schlagfertig, sondern auch in ihren Handlungen schlagkräftig sind. Viel Witz und ein super, gern auch mal schwarzer Humor. Die Verknüpfung von vielen, vielen fantastischen Rassen, die erstaunlicherweise großartig gelungen ist. Eine topaktuelle Handlung, die absolut herrlich zu lesen ist.

Ich weiß nicht mehr, was ich noch sagen soll. Ich liebe es und kann die Fortsetzungen kaum erwarten!

Hier könnt ihr ein Interview von Darkstars Fantasy News mit Patricia Briggs lesen, in dem ihr viele weitere Informationen über sie als Person, ihre Inspiration und die Reihe selbst erfahren könnt. Das konnte ich unmöglich alles hier unterbringen. Das Interview selbst ist von 2009, also garantiert nicht auf dem neuesten Stand, es lohnt sich meiner Meinung aber sehr, dort vorbeizuschauen.

Hier ist ein Interview, das gerade mal ein paar Tage alt ist. Allerdings auf Englisch. Es lohnt sich trotzdem.


Die Reihe und ihre (bisherigen deutschen) Bände

Die bisher im amerikanischen Original erschienenen Bände könnt ihr hier auf der Homepage der Autorin einsehen. Da gibt es auch einen Shop. Ich spiele zum Beispiel schon länger mit dem Gedanken, mir ein T-Shirt zu kaufen. Aber die Shipping-Kosten sind immer so hoch… Egal, hier sind jedenfalls die bisher im Heyne Verlag erschienenen Bände:

Mercy Thompson
Alpha & Omega (Spin Off)
  • 1. Schatten des Wolfes
  • 2. Spiel der Wölfe
  • 3. Fluch des Wolfes
  • 4. Im Bann der Wölfe

Ich freue mich auf euer Feedback!


Bisherige Reihentipps

  1. Elemental Assassin von Jennifer Estep
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11 Kommentare zu “[Reihentipp] Mercy Thompson von Patricia Briggs

  1. Huhu Henrike,

    man merkt welche Liebe und Leidenschaft Dich für diese Serie befallen hat.

    Augenzwickern…liest sich schon interessant an, aber ich bin ehrlich buchmäßig bin ich noch nie einen Serienfan gewesen.

    Aber ich denke mir, andere wirst Du damit schon anstrecken können…

    LG…Karin…

    • Jaa, merkt man das so sehr? Dann habe ich wohl doch die richtigen Worte gefunden. 😉
      Dass du lieber Einzelbände magst, weiß ich. Die Autorin hat auch welche geschrieben, du kannst dich ja mal auf ihrer Homepage umschauen. LG und dir ein schönes Wochenende!

      • Hallo Henrike,
        jaaaaa …hihi…ist aber nicht schlimm …den Tipp mit Einzelbänden nehme ich aber gerne an und schaue mich mal auf ihrer Seite um…augenzwickern…

        LG..Karin..

  2. Von der Reihe habe ich mal ein oder zwei Bücher gelesen, weil mein Freund die hat. Ist allerdings schon ein paar Jahre her und irgendwann hab ich dann aufgehört.

  3. Diese Reihe kenne ich nicht. Ich mag Fantasy eigentlich sehr, doch Vampire und Werwölfe sind nicht so mein Ding. Aber ich kann deine Beigeisterung im Allgemeinen nachvollziehen. Es gibt fast nichts schöneres, als in einer Reihe zu versinken und nie mehr ein Ende haben wollen! Ich wünsche dir, dass du noch sehr, sehr lange Spaß an Mercy Thompson haben wirst!
    GlG, monerl

    • Ich stehe auch nicht so auf die romantisierte Version der Vampire und Werwölfe (obwohl ich Twilight selbst gar nicht soo schlecht fand, hat diese Reihe dem Genre nicht unbedingt gut getan…), da kann ich deine Abneigung gut verstehen.
      Oh, ich hoffe doch sehr, dass es noch viele, viele Bände geben wird. 😉 Du hast meine Liebe für Reihen gut auf den Punkt gebracht.
      LG!

  4. Hallo,
    Die Bücher hören sich richtig gut an und ich glaube die könnten mir auch gefallen. Ich werde mir auf jeden Fall Band 1 besorgen. Mich konnte nämlich schon länger keine Reihe so richtig begeistern. Danke für den Tipp!
    LG Sonja

  5. Hallo liebe Henrike,
    es gab eine Zeit, da habe ich die Mercy Thompson Reihe wirklich sehr geliebt. Band 1-4 stehen auch nach wie vor in meinem Regal und das sogar auf Englisch, weil ich die deutschen Übersetzungen nie abwarten konnte. Dann aber musste ich warten, bis Band 5 in Amerika rauskam und während dieser Zeit änderte sich mein Lesegeschmack irgendwie. Jetzt nach deinem Beitrag bekomme ich aber wieder große Lust auf die Bücher und werde schauen, dass ich mir die Folgebände in naher Zukunft auch noch zulegen werde. 🙂

    Hab ein schönes Wochenende und tolle Osterfeiertage.
    Maike

    • Na, dann freue ich mich sehr, deiner Motivation auf die Sprünge geholfen zu haben! 🙂 Wenn du magst, erzähl mir doch, wie du jetzt zu der Reihe stehst, nachdem du die Bücher gelesen hast. Dir auch ein schönes Rest-Ostern! LG.

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