[Filmkritik] | [Filmtipp] The Dressmaker

Hallo ihr Lieben!

Wie ihr ja wisst, lasse ich mich sehr schnell von Serien begeistern. Sowohl in Buchform als auch im Fernsehformat. Oder, anders formuliert, ich lasse mich nicht schnell begeistern, sondern wenn mir etwas gefällt, dann wird es auf gewisse Weise Teil meines Lebens. Das beste Beispiel hierfür wäre Supernatural. Aber das tut heute nichts zur Sache.

Heute möchte ich euch von einem Film erzählen, der es mit dem ersten Satz des Drehbuchs geschafft hat, mich von seinen Qualitäten zu überzeugen. Ich spreche von

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Und ja, ich weiß: Über die Umfrage in der Sidebar rechts –> habt ihr bestimmt, dass ihr erst einmal andere Dinge lesen wollt als Filmtipps. Aber von diesem Film möchte ich euch erzählen, solange meine Begeisterung noch warm ist. Doch den einen oder anderen Post „auf Bestellung“ habe ich schon parat. Es dauert nicht mehr lang…


Als ich neulich nach einem Programm für den Abend suchte, stieß ich auf diesen Film. Okay, eigentlich wollte ich mir zum wiederholten Male Mit dir an meiner Seite anschauen, konnte mich dann aber nicht dazu durchringen – abgesehen von zwei, drei Szenen gefällt mir hieran nur das Ende, und dafür muss ich nicht den ganzen Film gucken. Es gibt sicherlich bei YouTube irgendwo einen Zusammenschnitt von genau diesen Szenen, da ich nicht der einzige Mensch auf dieser Erde sein kann, der so über den Film denkt.
Also habe ich nach anderen Filmen gesucht, in denen der jüngere der berühmten Hemsworth-Brüder mitspielt. Schließlich darf ein Augenschmaus ab und zu mal sein, nicht wahr? Und dann stand da plötzlich ein Trailer dieses Films zur Verfügung. The Dressmaker – Die Schneiderin. Erstaunlich. Ich erinnerte mich, dass ich schon vor längerer Zeit diesen Trailer gesehen hatte – vermutlich auf Facebook oder sonstwo in den Tiefen des Internets – und der Meinung war, den Film unbedingt sehen zu müssen. Das geriet dann in Vergessenheit, denn es gibt ja so viele Filme und Serien, die angesehen werden wollen, und so viel, viel zu wenig Zeit. Jetzt endlich habe ich es geschafft, die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Rosalie Ham (den ich nicht gelesen habe, aber diese Entscheidung überdenke ich noch einmal…) anzuschauen.


Worum geht es eigentlich?

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Vor 25 Jahren wurde Tilly, noch ein Schulmädchen, des Mordes an einem Schulkamerad bezichtigt und aus dem Dorf verwiesen. Sie wurde in ein Internat in Melbourne gesteckt und verbrachte dann mehrere Jahre in London, Spanien, Mailand und Paris, bevor sie als junge Frau in den 1950ern wieder in ihr Heimatdorf Dungatar in Australien zurückkehrt. Dort hat sie vor, ihrer verwahrlosten und alkoholabhängigen Mutter Molly, die sie nicht einmal wiederzuerkennen scheint, zurück ins Leben zu helfen und die Geschichte von damals aufzuklären – denn Tilly kann sich nicht an den Tag erinnern, an dem der Junge starb. Hat sie wirklich jemanden ermordet? Sie ist überzeugt davon, verflucht zu sein. Die Dorfbewohner machen ihr und Molly das Leben schwer, sind aber von den Modekreationen Tillys und den Stoffen, die diese aus Übersee kommen lässt, begeistert. Sie schneidert auf Bestellung, und irgendwann tragen die Dörfler Abendroben zur täglichen Arbeit – daher der Titel The Dressmaker. Langsam bildet sich ein akzeptables Fundament, doch auch dieses hält nicht stand. Nur der Nachbar Teddy, der mit seiner Familie gesellschaftlich am unteren Ende der Nahrungskette des Dorfes steht, hält zu ihr. Und dann läuft alles schief.


Schauspieler…

laim-hemsworth-kate-winslet-in-the-dressmakerIch war anfangs etwas skeptisch, als ich mir eine Beziehung zwischen Kate Winslet und Liam Hemsworth vorgestellt habe. Das passte einfach nicht in meinen Kopf. Leider ist das allzu häufig so, wenn man eine bestimmte Rolle mit einem bestimmten Darsteller verbindet; gerade dann, wenn die erste große oder die berühmteste Rolle nicht abgeschüttelt werden kann. Für mich gehört Kate Winslet schlicht zu Leonardo DiCaprio und Liam Hemsworth entweder zu Miley Cyrus oder Jennifer Lawrence. Das ist eben das Problem mit den großen Hollywoodstars, ihre Körper immer nur neu zu kombinieren macht die Filme nicht besser. Man braucht eben auch mal neue Gesichter und frisches Blut. In diesem Fall passt es aber doch irgendwie. Der Altersunterschied von 15 Jahren ist kaum zu bemerken (ich glaube, die beiden sollen auch in etwa Gleichaltrige spielen), denn Sie sticht durch ihr Auftreten sowieso heraus und er trägt mehr Haar und Bart, als ich gewohnt war, und wirkte dadurch erwachsener und älter als in meiner Erinnerung. Passt also. Diese Beziehung steht aber, obwohl es bisher hier den Anschein machen könnte, nicht im Vordergrund der Handlung.

Ein weiterer Name, der mir im Vorspann auffiel, war Hugo Weaving. Kennengelernt habe ich ihn als Elrond in Der Herr der Ringe, dann zwangsläufig in der Schule in Matrix eins bis drei *hust* bewundern dürfen. Und eines muss man ihm lassen: Er hat durchaus Talent, einen Charakter einzigartig darzustellen. Wenn das Drehbuch vorschreibt, dass er aalglatt und nichtssagend sein soll, dann kann der Schauspieler ja nichts dafür… Aber das führt jetzt zu weit. In The Dressmaker überzeugt er mich in seiner etwas tattrigen und liebenswert eigensinnigen Rolle als scheinbar einziger Polizist des Ortes vollkommen.


Handlung und Optik

Am wichtigsten ist in diesem Film und vermutlich auch im Roman, der die Grundlage dessen bildet, das Zusammenspiel der Menschen. Wie überzeugt man Leute, denen vor einem Vierteljahrhundert eine Version einer Geschichte eingetrichtert wurde, davon, dass eine andere der Wahrheit entspricht – insbesondere, wenn man selbst keine Erinnerung daran hat? 7db4a986-ed53-4122-8410-a57ee5d98d6e-1280x800Wie beeinflussen Mode und Stil die Menschen in ihrem Denken und Handeln? Wie kann man herausfinden, was der Auslöser für eine extreme Wendung in der eigenen Vergangenheit war, wenn niemand darüber sprechen mag oder sich an die vorgeschriebene Version hält? Diese Aspekte sind für mich sehr überzeugend gespielt worden und machen neben der Optik den größten Reiz dieses Streifens aus. Abgesehen vom rasanten letzten Viertel des Films. Um nicht zu viel zu verraten: Es gibt zwar ein, zwei kurze Hänger, aber es lohnt sich so unglaublich sehr, am Ball zu bleiben! Denn:

Der Film beginnt mit der Zeile „Ich bin zurück, ihr Mistkerle!“, während Tilly sich zuerst eine Zigarette ansteckt, als sie zurück in Dungatar ist. In aller Ruhe bläst sie den Qualm aus und auf den ersten Blick ist ersichtlich, dass sie und dieses Dorf niemals auf einen Nenner kommen werden. Und der Film endet mit ihren Worten „So einen Müll haben Sie noch nie gesehen.“, welche ich als ungemein treffende Beschreibung des Dorfes und ganz besonders seiner Bewohner empfinde.
Noch viel beeindruckender finde ich aber die grafische Aufmachung. Die Kameraperspektiven und Shots sind sehr atmosphärisch und stilvoll. Teilweise wirkt es fast so, als beobachtete ich ein Gemälde oder eben ein inszeniertes Kunstfoto (was es im Grunde ja auch ist). Für die Augen ist es nicht immer ein Genuss, schließlich spielt der Film in einem verstaubten und versnobten Dorf, in dem es Sand und Dreck im Übermaß gibt – man erfährt gegen Ende nebenbei, dass in dem Ort auch Müll verbrannt wird. Doch je länger der Film dauert, desto mehr gibt er nicht nur für den Geist, sondern auch für das Auge her. Und das Ende hätte ich mir nicht kaum besser wünschen können. Okay, ich hätte mir ein paar kleine Änderungen erhofft, aber man kann ja nicht alles haben. So bin ich auch ganz zufrieden.


Fazit

Ein Film über eine Frau auf der Suche nach der eigenen Vergangenheit und dem eigenen Selbst, der nicht nur optisch etwas hermacht, sondern auch mit viel Witz und manchmal auch recht schwarzem Humor daherkommt. Ich finde ihn wirklich gelungen und sehe deshalb darüber hinweg, dass man sich berühmte Gesichter ausgesucht hat. Und über dem einen oder anderen „etwas“ lächerlichen Todesfall kneife ich dann auch mal ein Auge zu…

PS. Diese Todesfälle… Die machen unter anderem den Charme und Humor dieses Films aus. Oder sie eignen sich zumindest als gutes Beispiel für die Art der Witze, die hier hineingearbeitet sind. Wer damit nicht umgehen kann, der sollte vielleicht sicherheitshalber die Finger von diesem Film lassen, so gut ich ihn auch finden mag. Alle anderen aber haben keinen Grund, ihn nicht anzuschauen!


Habt ihr den Film schon gesehen? Wie fandet ihr ihn? Oder habe ich euch jetzt neugierig gemacht? Ich bin gespannt auf eure Meinungen!

 

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7 Kommentare zu “[Filmkritik] | [Filmtipp] The Dressmaker

  1. Hallo Henrike,

    da spricht mal wieder voll die Begeisterung aus Dir heraus…gell!!
    Da wir zur Zeit in der Familie einen Todesfall haben werde ich wohl um diesen Film einen großen Bogen machen.

    Aber egal…..LG..Karin…

  2. Hallo Henrike,

    mir gefällt dein Filmtipp! Ich habe kaum noch Zeit zum Fernsehen und freue mich sehr, wenn wir zu Hause dann mal festlegen einen Film zu schauen, ich mir dann aber keine Gedanken machen muss was für einen Film wir aussuchen sollen, weil ich schon ein paar tolle im Hinterkopf habe. Danke! 🙂

    GlG vom monerl

  3. Hallo Henrike,
    ich kannte den Film bisher gar nicht und bin daher froh, den Tipp hier gelesen zu haben 🙂
    Werde ihn mir ganz bestimmt anschauen, die Story klingt nämlich sehr interessant.
    Liebe Grüße und einen schönen 2. Advent
    Ela

    • Hey Ela,
      ich freue mich immer wieder, wenn meine Tipps tatsächlich ausprobiert werden. Erzähl mir, wie du ihn fandest! Bin gespannt auf weitere Meinungen.
      Liebe Grüße auch dir!

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