[Rezension] Die Küste der Freiheit (Maria W. Peter)

Titel: Die Küste der Freiheit
Autor(in): Maria W. Peter
Verlag: Bastei Lübbe
Format: TB
Seitenzahl: 878
Erschienen: 14.11.2014
ISBN: 978-3-404-16735-7
Preis: 9,99€
Erworben: Dieses Buch hat mir die Autorin unangefordert im Juni 2015 zugeschickt – ich habe mich riesig gefreut, vielen Dank!

Erste Worte: [Dorf Berich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, September 1775] Ein erbärmliches Wimmern erfüllte die stickige Luft in der Hütte, deren Fenster lediglich mit schmutzigen Stofffetzen verhangen waren. 

Inhalt

1775: Als ihr geliebter Lorenz mit seinem Regiment nach Amerika in den Krieg geschickt wird, ist Anna zutiefst verzweifelt. So verzweifelt, dass sie sich als Schuldmagd in die amerikanischen Kolonien verkauft. Bald schon findet sie sich mit zahlreichen anderen Auswanderern auf einem Schiff in die Neue Welt wieder. Doch der Weg in die Freiheit und zur Liebe ist weit …

Quelle: https://www.luebbe.de/bastei-luebbe/buecher/historische-romane/die-kueste-der-freiheit/id_3311603

Meine Meinung

Dieses Buch wurde mir von der Autorin selbst zur Verfügung gestellt, mit Signatur und einigen Goodies. Ich habe mich soo riesig gefreut, da es das erste unangeforderte RezEx war (und bisher das einzige geblieben ist), das bei mir eingetrudelt ist. Ich bin an einem warmen Sommerabend nach Hause gekommen, und dann lag da so ein Päckchen vor der Haustür. Das war eine tolle Überraschung.

Der Klappentext des Buches war auch sehr interessant – aber das Cover ließ vermuten, dass es ein irgendwie romantisch und kitschig angehauchtes Buch sein würde: Rosa- und Lilatöne, malerische Wolken am lila Himmel, ein Kranich im Vordergrund und ein paar grüne Zweige und natürlich auch das obligatorische Segelschiff, das man bei solcher Thematik eigentlich immer findet. Versteht mich nicht falsch, das Cover ist schön gemacht und auch recht ansprechend – ich erwarte nur etwas anderes, wenn ich den Klappentext lese. Diese beiden Dinge passen nicht zusammen.

Die Handlung ist sehr religionslastig. Im Grunde dreht sich alles um die Religionszugehörigkeit von Anna, Lorenz – und eigentlich jeder Figur im ganzen Roman. Mennoniten, Amische, Papisten – alle glauben an den gleichen Gott, aber auf verschiedene Weise. Und da jeder glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, geht man sich gegenseitig an den Kragen. Wie das eben so ist mit der Religion. Zum Thema Religion kommt auch noch der Weg in die Neue Welt, die Auswanderung nach Amerika in der Hoffnung, ein neues und besseres Leben führen zu können. Besonders die Verfolgten Gruppen (religiöse Minderheiten, Deserteure, Kleinbauern,…) wählten diesen Weg in eine ungewisse Zukunft. Auch Anna tritt diese Reise an, aus der Not heraus. Lorenz folgt seinem Marschbefehl. Wie der Zufall – oder eben Gott – will, laufen sich die beiden immer wieder über den Weg, meist dann, wenn einer von ihnen in der Klemme steckt. Wie die Geschichte ausgeht, lässt sich natürlich erahnen, aber durch viele Wendungen und Zwischenfälle ist die Handlung kunstvoll in die Länge (sprich auf fast 900 Seiten) gezogen worden.

Die Charaktere. Anna, eine junge Frau, die wegen der Krankheit ihres Vaters ziemlich auf sich gestellt ist und dabei noch jedem Bedürftigen hilft, der ihren Weg kreuzt, trifft in einer misslichen Lage auf Lorenz, Freiherr und Leutnant der hessischen Jägerarmee, der viel von sich hält, aber die Augen nicht von ihr lassen kann. Er rettet sie, sie rettet ihn, und immer wieder im Wechsel dasselbe. Anna ist sehr religiös und strenggläubig, ihr Glaube lässt aber zu, den Glauben anderer zu akzeptieren. Lorenz ist gläubig, richtet aber nicht sein Leben danach aus – wie sollte er als Soldat auch. Beide sind scharf umrissen, gut charakterisiert und ein bisschen stereotypisch. Anna wird ein bisschen wie der Engel dargestellt, als den Lorenz sie ab und zu auch bezeichnet, was sie aber kategorisch ablehnt, und Lorenz ist der Glückskeks, der von ihr geliebt wird. Sie gefallen mir beide ganz gut, da diese Charaktere gut in die Zeit passen, in der die Geschichte spielt.

Der Schreibstil ist sehr kunstvoll und detailreich. Man merkt quasi in jedem Satz, wie gut die ganze Story recherchiert ist. Jeder Begriff, jede Bezeichnung und sogar die Beschimpfungen sitzen. Es ist einfach nur super geschrieben.

Meiner Meinung nach ist es etwas zu viel Religion auf diesen „paar“ Seiten, aber da ich generell nicht allzu viel vom strengen Glauben halte, war das auch zu erwarten. Dennoch passt dieses Thema in die beschriebene Zeit. Die Flucht in die Neue Welt ist super dargestellt und die Unabhängigkeitskriege so gut beschrieben, dass ich fast das Gefühl habe, noch etwas beim Lesen gelernt zu haben. (Ich habe neulich erst irgendwo gelesen, dass das ein wichtiger Punkt bei historischen Romanen ist: Der Leser muss hinterher das Gefühl haben, etwas neues gelernt zu haben. Dabei ist unwichtig, ob das Gelesene historisch korrekt ist, es geht um das Gefühl. Bei mir hat’s funktioniert. 😀 )

Fazit

Besser, als das Cover vermuten lässt, unterhält dieser Roman auf extrem gut recherchierte Art und Weise.

* * * * *

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