Mein Bewertungssystem – Meine Philosophie

Quelle: https://thewayfromaman.wordpress.com/2011/06/22/wieso-schreibe-ich/

Immer wieder schwanke ich, wie ich die Bücher und Filme bewerten soll, die ich gelesen bzw. gesehen habe. Dann schaue ich, wie all die anderen Blogger das regeln, deren Beiträge ich verfolge. Und da das im letzten Jahr eine recht beachtliche Zahl an Blogs geworden ist, die alle recht verschiedene Systeme verfolgen, war ich lange der Meinung, ich müsse mein eigenes entwickeln. Einfach das System eines anderen zu übernehmen schien und scheint mir nicht fair und gerecht. Also schrieb ich meine Rezensionen und Reviews nach bestem Gewissen und wurde dabei immer besser (so ist jedenfalls mein Empfinden). Und jetzt, ziemlich genau ein Jahr nach meinem ersten Beitrag auf WatchedStuff, habe ich noch immer kein eigenes System. Darum habe ich mich jetzt hingesetzt und mir vorgenommen, nicht eher aufzustehen, als ich ein System zustande gebracht habe. Spätestens, als ich das erste Mal für kleine Mädchen musste, habe ich diesen Vorsatz verworfen. Dann habe ich die Musik laut aufgedreht und mir einen Tee gekocht, meinen letzten Schokoladenvorrat geplündert und mich schließlich wieder an die Arbeit gemacht. Und während ich das hier schreibe, stehe ich noch immer ohne System da. Ich weiß, welche Dinge ich beachten möchte, wenn ich eine Rezension schreibe. Ich habe eine Checkliste: Cover, Handlung, Figuren und Charaktere, Beziehungen, Kitsch-Grad, Klischees, Schreibstil, Spannungsgrad – solche Dinge eben. Doch ich erwische mich immer wieder dabei, diese Liste zu ignorieren. Ich warte eigentlich nur darauf, dass mich mal jemand anschreibt und fragt, woran ich die zwei Punkte, die ich seinem Buch gegeben habe, festmache und wie ich diese verhältnismäßig schlechte Bewertung Quelle: http://www.kidsgo.de/kliniktasche/geburt.phprechtfertige. Mir graut vor diesem Moment. Denn ich habe auf diese Frage nicht mehr zu sagen, als in der Rezension steht. Ich bewerte jedes Buch, jeden Film und im Grunde auch jede Serienstaffel individuell. Ich habe kein System, nach dem ich mich richte. Ich vergleiche ungern, und wenn es doch passiert, dann hat es einen triftigen Grund. Der Grund für eine Bewertung darf meiner Meinung nach kein System sein, das ich irgendwann einmal festgelegt habe und an das ich mich nun klammere. Jedes Buch wurde individuell geschrieben. Jedes Buch muss individuell betrachtet und bewertet werden. Ich bin mein eigenes System. Mein Buchgeschmack, meine Vorlieben bestimmen, wie die Geschichte, die erzählt wird, bei mir ankommt und wie ich sie bewerte. Man stelle sich vor, eine Bloggerin liest einen unglaublich klischeehaften und absolut grauenhaft romantischen Liebesroman. Und eine Woche später einen blutigen wirklich grauenhaften Psychothriller. Und beide Bücher sollen nach demselben System bewertet werden? Das muss dann schon ganz schön allgemein gehalten sein. Oder soll man im Liebesroman nach blutigen Szenen suchen, im Thriller nach Kitsch und Romanzenklischees? Nein, das ist ganz schön abgedroschen.

Quelle: https://de.fotolia.com/id/34262108Ich habe kein System. Ich bin ich – und ich bin mein System. Basta.
Wenn mir ein Buch gefällt, dann ist das eben so. Und ich werde schon Dinge finden, an denen ich diesen Gefallen festmachen kann. Wenn mir ein Buch missfällt, dann werde ich auch dafür Gründe zu nennen haben. Ein System würde mir nur eine Sachlichkeit aufzwingen, die ich in diesem Sinne nicht aufzubringen bereit bin. Rezensionen sind immer subjektiv und alles andere als sachlich.

Ich möchte hier und jetzt nicht all die Blogger brüskieren, die strikt nach ihrem persönlichen System bewerten, oder irgendjemandem vorschreiben, wie er seine Texte schreiben muss oder wie er zu denken hat. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Gründe für das eigene Vorgehen hat. Es ist mir schlicht wichtig, mein „Bewertungssystem“ nach gut einem Jahr endlich einmal zu erklären. Oder eben die fehlende Existenz dessen. Noch Fragen? 😉 Immer her damit. Ich bin hier und wetze meine Tastatur, bereit, es mit jeder Kritik oder Meinung aufzunehmen! 😀

Nein, jetzt mal ohne Spaß:

Was haltet ihr davon, einfach ohne System vorzugehen? Glaubt ihr, ich kann lange so weitermachen, oder eher, dass ich irgendwann auf ein System angewiesen bin?

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6 Kommentare zu “Mein Bewertungssystem – Meine Philosophie

  1. Man kann da eine bodenlose Wissenschaft draus machen. Das führt dann dazu, dass man immer wieder in steigender Häufigkeit vor Augen geführt bekommt, wo es überall nicht passt. Bei mir gibt es kein System. Die Wertung ergibt sich intuitiv aus einer Mischung von viewing pleasure, Gehalt und inszenatorischer Qualität des Films, etc.
    Das alles kann miteinander korrelieren, sich gegenseitig ausgleichen, etc.
    Kunst ist, genau wie du schreibst, viel zu individuell um sie in ein Korsett zu pressen und alles auf Vergleichbarkeit hin zu bügeln.

  2. Hallo Henrike.

    Das Bewertungssystem ist ein Thema, mit dem ich schon längr beschäftige. Oft, weil ich meine eigenen Bewertungen manchmal nicht ganz nachvollziehbar finde und wie du es so schön beschreibst, darauf warte, bis jemand nachhakt. Aber eigentlich, zumindest zeigt das die Erfahrung liegt man mit der Intuition ganz richtig und das liest sich dann auch im Text so. Schließlich hab ich noch nie etwas bewertet und dabei ein komisches Gefühl gehabt, zumindest wöre das bei mir so nie veröffentlicht worden.

    Jedenfalls arbeite ich momentan (wenn es die Zeit zulässt und die Gedanken brauchen ja ewig Zeit) daran, trotzdem zu manifestieren, wonach ich mich richte. Denn irgendwo hab ich immer wieder ein Schema, das ich verwende und das würd ich gerne erklären. Gerade, da mein Bewertungssystem an sich schon aus zehn einzelnen Faktoren besteht, würd ich das gerne näher erläutern.

    Ich verstehe das aber auch, dass es Menschen gibt, die sich eben nicht unter den Zwang stellen wollen, irgendwie etwas in Stein zu meiseln und sich damit dann nicht wohlfühlen.

    Ich bin gespannt, wie es sich entwickeln wird und was du zu meiner Ansicht zu sagen hast.

    Liebe Grüße
    Henrik

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