„Schreiben ist wie Klavierspielen!“ – Ein Interview mit Christine Lehmann

dummy1_400x497_LitFestLehmannDr. Christine Lehmann hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert, mehrere Bücher (u. a. Der Ruf des Kolibris) geschrieben und lebt heute in Stuttgart, wo sie als Redakteurin beim SWR tätig ist. Für die Rubrik Porträts habe ich am 03.09.2014 um 18.00 Uhr mit ihr ein halbstündiges Telefoninterview geführt…

Hier der Link zu einem Artikel zum Interview auf Christines Internetseite

***

Christine Lehmann: Ja, Lehmann.

Ich: Hallo, hier ist Henrike.

Hallo!

Wir hatten uns ja verabredet…

Genau. Stimmt, so was von pünktlich!

Ja. Ich muss gestehen, ich bin ein bisschen aufgeregt. Ich hab das hier noch nicht so oft gemacht, wenn ich also zu schnell rede –

Na, das ist ja nicht live und in Farbe, also muss hier niemand aufgeregt sein. Insofern, lass uns das ganz gemütlich und in Ruhe angehen.

Genau. Wenn ich ein bisschen zu schnell rede, sagen Sie einfach Bescheid.

Ich rede auch immer zu schnell…

Okay. Ich habe ein paar Fragen, was das Schreiben angeht, wie Sie arbeiten, was Sie studiert haben, so etwas halt. Ich fange einfach mal an.

Genau, so machen wir’s.

Wollten Sie schon immer Autorin werden?

Ja das wollte ich. Also, mit 14 habe ich beschlossen, Schriftstellerin zu werden. Aber das ist ja nicht immer so geradlinig im Verlauf. Zum Glück habe ich Abitur gemacht und zum Glück habe ich studiert.

Was heißt, Sie haben das beschlossen? Das klingt so, als hätten Sie das genau gewusst.

Ja, ich habe einfach beschlossen, ich werde Schriftstellerin. Meine Eltern hatten viele Bücher daheim und ich habe dann gewusst, mein Berufsziel ist Schriftstellerin. Ich hatte davor gar keine Vorstellung davon, was das heißt. Ich habe von da an auch angefangen, Tagebuch zu schreiben. Das habe ich dann ganz, ganz viele Jahre lang gemacht und das regelmäßige Schreiben hilft auch ungemein.

Und davor hatten Sie noch gar nichts in der Richtung unternommen?

Ich weiß natürlich nicht mehr, was ich mit zwölf wollte…

Sie haben Germanistik studiert, richtig?

Ich habe dann Kunstgeschichte und Germanistik studiert, ja. Das war von Anfang an eine ganz große Leidenschaft von mir, kann man sagen.

Wie sieht das Germanistikstudium aus? Liest man da nur Klassiker und viele alte Sachen oder eher Neueres?

Natürlich liest man im Germanistikstudium viele und hauptsächlich ältere Geschichten, aber gerade in Stuttgart waren das auch mehr modernere Sachen. Damals war das alles sehr feministisch geprägt. Und ich hatte einen Professor, der viel mit den feministischen Literaturwissenschaften zu tun hatte.

Und so kam dann auch die Thematik Ihrer Doktorarbeit zustande?

Genau. Das Thema war ja, warum die meisten Romanheldinnen am Ende sterben müssen. Das ist ja alles sehr patriarchalisch und von einem feministischen Ansatz. Und das habe ich dann relativ gut herausgearbeitet.

Kann man diese Arbeit irgendwo noch lesen, zum Beispiel online?

Es gibt davon noch Exemplare in Bibliotheken oder so. Ich habe zuhause aber auch noch irgendwo ein paar davon. Ich kann die auch mal verschicken. Das kostet dann halt ein bisschen was. Ich weiß gar nicht mehr, wie viel, das ist schon so lange her, aber klar, man kann die noch bekommen.

Das Thema finde ich auch sehr interessant.

Ja, das fand ich damals auch schon sehr spannend. Ich wusste nicht, was am Ende dabei herauskommt. (An dieser Stelle hat Christine mir erzählt, was dabei herauskam, aber um die Spannung nicht zu zerstören, lasse ich das aus. Wer möchte, kann sich hier Zugang zu der genannten Arbeit verschaffen: Das Modell Clarissa)

Wie ist das eigentlich genau im Studium, wie viel Freizeit bleibt da nebenbei?

Das heutige Studium ist so dermaßen anders als mein Studium! Germanistik war ein Studiengang, da ging man in Seminare und Vorlesungen, hatte relativ viele Referate vorbereitet, also sich Themen erarbeitet, und hatte nebenbei eben relativ viel Zeit. Gar nicht wie Schule oder so. Richtig frei, man konnte sich wirklich frei fühlen. Das war toll.

Heute ist es sicherlich viel angespannter, man muss diese Punkte erzielen, hat immer wieder Klausuren und Zwischenprüfungen, die man bestehen muss. Das war damals alles nicht. Dann musste man eine Magisterarbeit schreiben, ein paar Seminarscheine machen, ohne, dass die benotet wurden, da hatte man schon viel Zeit für sich. Ich habe während des Studiums schon viel geschrieben, das war aber anfangs alles schlecht. Ich habe dann erst mal angefangen zu arbeiten und nach zwei, drei Jahren habe ich dann mein erstes Buch geschrieben, das dann auch veröffentlicht wurde.

Wie war das, als Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde, was war das für ein Gefühl?

Das war mal so richtig geil. Es wird ja nicht immer direkt das erste Buch veröffentlicht, man muss viele Verlage anschreiben und bekommt es immer wieder zurückgeschickt, bis es dann endlich klappt. Und das eigene Buch in der Hand zu halten ist schon toll. Schreiben ist wie Klavierspielen, man muss immer üben und weitermachen, damit das was wird. Das war natürlich nicht alles gut, was ich geschrieben habe, darum hat es eine Weile gedauert, bis ein Verlag gesagt hat, gut, wir nehmen das.

Wurde dann noch viel daran herumgemäkelt oder ist alles beim Alten geblieben?

Nein. Das machen die bei mir überhaupt nicht. Klar, der Lektor korrigiert dann noch Rechtschreibfehler und Kommata und kürzt manche Sätze, die über ein paar Zeilen gehen, aber an der Dramatik wird nichts geändert. Meine Bücher nehmen die generell wie sie sind.

Ich muss zugeben, ich bin über den Ruf des Kolibris ganz zufällig gestolpert und habe das einfach mal mitgenommen. Und ich war total begeistert.

Das Buch ist auch ganz schön, finde ich. Das geht ein bisschen in die Tiefe.

Ich habe mich gewundert, da Sie ja hauptsächlich Krimis schreiben, wie dann so etwas zustande kommt?

Das ist so nicht ganz richtig, ich habe nur elf Krimis veröffentlicht. Das Meiste sind andere Romane. Ich habe also zum Teil Liebesromane geschrieben, zum Teil auch Komödien, die werden als eBooks gerade alle noch mal neu aufgelegt. (Hier mehr dazu.) Aber die sind auch alle erfolgreich. Ich habe gerade wieder eine Anfrage, ob die Filmrechte für eines davon noch frei sind. Aber Krimis schreibe ich einfach unglaublich gern, weil ich da mit der Sprache ganz arg frei umgehen kann, ganz schräg. Bei den Liebesromanen und auch bei den Jugendbüchern ist die Sprache ein bisschen spröde, da kann ich nicht ganz so schrill mit umgehen. Aber da macht die Recherche sehr viel Spaß.

Zur Recherche habe ich auch noch eine Frage: Waren Sie immer vor Ort, haben Sie sich Kolumbien zum Beispiel selbst angeschaut?

Nee, da war ich überhaupt noch nie. Ich kann ja Spanisch, darum konnte ich viele Leute fragen und auch die Zeitungsartikel lesen und verstehen, ich konnte über das Internet die Indianer zum Beispiel fragen, wie das da so läuft. Und über Google Earth kann man heute ja schon alles angucken, ich konnte auch die Internetseiten von dort lesen, das war alles gar nicht so schwierig. Ich habe auch Leute gefragt, die da waren, aber Schreiben ist ja hauptsächlich Imagination. Ganz häufig ist es auch so, dass witzigerweise gerade dann, wenn ich über etwas schreibe, im Fernsehen ganz viele Filme dazu laufen. Da kam eine Dokumentation über diesen Brillenbären, den Andenbären, und ich dachte mir, ach, den lasse ich da auch drin vorkommen. Da kann einfach viel passieren. Und ich denke mir dann immer, was passieren kann, das lasse ich passieren. Es kann natürlich sein, dass da einer ist, der es besser weiß, jemand, der schon mal da war, aber das ist dann eben so.

Wie lange haben Sie dafür gebraucht, das zu schreiben?

Für diese Romane brauche ich mit Recherche immer so ein knappes Jahr.

Schreiben Sie gerade wieder an einem neuen Buch?

Noch nicht. Im Herbst erscheint wieder einer von diesen Jugendromanen (Hier mehr dazu.), der spielt jetzt in Südafrika, ist auch ein schönes Buch eigentlich, der schönste von allen Vieren eigentlich. Dann lässt der Verlag erst mal ein Dreivierteljahr verstreichen, dann rufen die bei mir an und fragen, na, wie steht’s denn, dann besprechen wir, was wir alle uns vorstellen könnten, zu machen. Ich bekomme dann irgendwann einen Vertrag, einen Abgabetermin und den versuche ich dann einzuhalten. Also etwa alle zwei Jahre erscheint ein Buch. Schneller will ich nicht, sonst sind die Leser irgendwann arg überfordert, denn zu schnell ist auch nicht gut, also alle zwei Jahre ist so die Regel.

Sie sagen häufig, Sie sind sehr zufrieden mit dem neuen Buch. Gibt es auch welche, die ihnen überhaupt nicht gefallen?

Also der zweite Teil in der Jugendbuchreihe, der in Dubai spielt (Hier mehr dazu.). Ich mag den ganz gern, weil der den Islam behandelt. Aber wenn ich den heute noch mal schreiben würde, würde ich das in der Sprache anders machen. Das ist so arg künstlich angetüncht.

Was ich ganz gerne mag, ist Eukalyptusmond. Die Hauptfigur ist nicht so aalglatt und abgehoben, sondern hat auch so ihre Probleme. Das ist so eine, die nicht so genau weiß, was sie machen will im Leben.

Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus?

Ich habe ja einen ganz normalen Job, ich bin Nachrichtenredakteurin beim SWR, deshalb gibt es zwei typische Tage bei mir.

Der eine ist, dass ich aufstehe und zur Arbeit fahre, und wenn ich mal Spätschicht habe, dann schreibe ich auch tagsüber. Das ist dann so dass ich aufstehe, erst mal frühstücke, mache mir einen Pott Kaffee, den ich mir neben den Computer stelle und dann schreibe ich.

Der andere ist, dass ich nur schreibe.

Was würden Sie neuen, jungen Autoren (Frischlingen, wenn man so will) raten, wenn die sagen, so, ich habe jetzt was fertig geschrieben. Was ist dann der nächste Schritt?

Also erst mal, etwas fertig schreiben ist eine große Leistung! Fertig schreiben ist auf jeden Fall schon mal gut. Da sind häufiger Leute, die schon mal angefangen haben und dann fragen, ob das so geht. Anfangen tun viele, aber entscheidend ist, dass man die Dinge auch fertig schreibt! Manche jungen Autoren denken sich, dass ihre Sachen vielleicht nicht gut genug sind, aber ich empfehle da immer, die ruhig an Verlage zu schicken. Das kommt dann zurück, es wird nämlich in der Regel nicht genommen, und diese Frustration muss man auszuhalten lernen. Wenn man dann noch mal anfängt, wenn man sagt, gut, ich verabschiede mich davon und schreib noch mal ein Buch, dann geht das auch schon besser. Dann schickt man das noch mal in einen Verlag und sieht, ob es diesmal klappt. Ich selber habe, glaube ich, vier oder fünf Romane geschrieben, bevor der erste Verlag sich mal mit mir auseinandergesetzt hat.

Kann man dann bei den Verlagen nachfragen, woran es gelegen hat, dass das Buch nicht genommen wurde?

Meistens nicht, meistens kommt nur ein Formbrief wie „das passt leider nicht in unser Verlagsprogramm“, die haben im Verlag halt wahnsinnig viel zu tun. Aber manchmal hat man auch einen Lektor, der es wichtig findet, einen zu ermutigen, und der dann ein bisschen was dazu sagt. Aber diese Frustrationstoleranz, die muss man halt haben. Schreiben ist ja so eine Art Leidenschaft.

Haben Sie selbst schon mal daran gedacht, sich als Lektor in einen Verlag zu setzen?

Nein. Nie. Lektor wollte und will ich nie werden, weil das heißt, dass du die Bücher von anderen Leuten bearbeiten musst, und es gefällt einem halt nicht jedes Buch. Ich bin eigentlich ganz froh, dass ich Nachrichtenredakteurin bin, also einen ganz normalen Job habe, und dann halt schreibe und nicht auch noch im Buchmarkt tätig bin. Es gibt ja auch Lektoren, die Bücher schreiben, aber das sind ja eigentlich zwei Paar Stiefel. Man kann nicht in einem Verlag arbeiten und sagen, ich möchte jetzt mein Buch hier veröffentlichen. Der Markt rechnet halt. Wird sich das verkaufen, machen wir uns damit lächerlich, und ganz entscheidend für einen Verlag ist auch, von wem wird das überhaupt angeboten, wird diese Autorin oder dieser Autor noch weitere Bücher schreiben, kann der das? Die wollen auf einem Autor auch gerne aufbauen. Die wollen nicht nur ein Buch haben, die wollen feststellen, ob der noch Ideen zu einem Weiteren Buch hat.

Wo und wann schreiben Sie am liebsten? Schreiben Sie erst mal mit der Hand oder direkt auf dem Rechner?

Ganz früher habe ich mit der Hand geschrieben, aber jetzt schreibe ich alles auf dem Rechner. Ich arbeite gern mit dem Computer, man kann ja sehr schnell korrigieren, man kann auch sehr schnell recherchieren, man sitzt ja schon am Computer. Ich schreibe eben gern mit der Maschine. Ich hab dann früher auch ganz bald mit der Schreibmaschine angefangen zu schreiben. Ich tippe gern. Ich kann auch manchmal meine eigene Handschrift nicht mehr lesen…

Sind das immer bestimmte Zeiten, wo Sie sich dann hinsetzen und schreiben, zum Beispiel immer Abends?

Nein, ich schreibe immer Morgens. Ich stehe auf – das ist wie ein Arbeitstag. Ich stehe auf, setze mich hin und schreibe. Dann esse ich manchmal auch noch was, aber hauptsächlich bin ich am Schreiben. Ich schreibe ganz gerne tagsüber. Ich bin kein Nachtschreiber.

Gehen Sie dabei auch mal irgendwo anders hin, in den Park?

Nein, ich bin zuhause.

Können Sie mittlerweile vom Schreiben allein leben, ohne Ihren Job als Redakteurin nebenbei?

Nein, kann ich nicht. Es kann sein, dass ich das in einem Jahr oder so schaffen würde, aber man weiß ja nie, ob und wie das so weitergeht. Oder in fünf Jahren.

Was halten Sie von eBooks, von self-publishing und was es jetzt alles so gibt?

Also ich hab das schon mal probeweise gemacht und ich finde das richtig gut. Das ist besonders gut für junge Autoren, die keinen Verlag kriegen, sich da auszuprobieren. Das kostet ja fast gar nichts, bei Amazon tatsächlich gar nichts, dann hat man was geschrieben, man sollte natürlich Korrekturlesen (lassen), es ist wichtig, dass da nicht zu viele Fehler drin sind, und dann veröffentlicht man das. Und dann probiert man mal, ob das überhaupt jemand kauft oder lesen will. Also, ich finde das gut, ich finde das richtig gut. Ich denke auch, dass sich Autoren so vom Verlag unabhängig machen. Ich bin auch schon bei ein paar Verlagen hinausgeflogen, weil die gesagt haben, das verkauft sich nicht. Und dann war ich froh, dass ich anderweitig Geld verdiene, denn so bin ich nicht abhängig von diesem Verlag. Ich muss nicht machen, was die wollen. Ich finde, das ist eine Riesenchance, das ist richtig gut, sich selbst zu produzieren. Und die Verlage werden sich noch umgucken. Im Zweifelsfall werden sie den Autoren, die sie wirklich haben wollen, auch mehr zahlen. Man verdient ja nicht viel als Autor, nur 9% am Verkaufspreis.

Kann es passieren, wenn man sich gut gemacht hat beim self-publishing, wenn sich das Buch dort gut verkauft hat, dass dann Verlage kommen und fragen, ob sie einen unter Vertrag nehmen können?

Das kann sein, ja. Vor allem, wenn man hohe Verkaufszahlen hat. Wenn man ein eBook geschrieben hat, das sich zum Beispiel 10.000 mal verkauft, dann sollte man das mal probieren.

Macht man mit dem self-publishing, mit den eBooks mehr Verdienst, als mit den Verlagen?

Im Moment noch nicht. Es gibt natürlich so triviale, die ganz arg mainstreamig sind, die ein Genre bedienen, wie zum Beispiel Fantasy, die können es eventuell schaffen. Aber eBooks werden ja nicht kritisiert. Die Frage ist, wie erfahren die Leute, dass das Buch jetzt auf dem Markt ist. Verlage machen ja Werbung und haben PR-Vertretrer, überreden Buchhändler, dass sie das Buch irgendwo hinstellen, dass es alle sehen. Aber beim ePublishing ist das alles nicht da. Wenn man Werbung machen will, muss man die selber zahlen. Man kann an solchen Aktionen teilnehmen, da verteilt man die Bücher zwei Monate umsonst, daran verdient man natürlich nichts, aber man wird dadurch natürlich populärer. Man verdient mit einem eBook an sich natürlich auch nicht so viel, vielleicht 2 Euro oder so pro Stück- Man kann also auch nicht damit rechnen, es gibt einfach so wahnsinnig viel. Wahnsinnig viele Bücher und auch Leute, die Bücher schreiben. Ich vergleiche Bücher-Schreiben gerne mit Lotto, das ist auch ein bisschen so eine Glückssache.

Was genau machen Sie eigentlich in der Redaktion? Wie qualifiziert man sich dafür?

Ich habe mich mit meinem Studium und einem Volontariat qualifiziert. Ein Volontariat ist so eine spezifische Ausbildung. Ich war ja beim SWR, dem Sender, das kann man aber auch bei einer Zeitung machen. Dann ist man ausgebildeter Redakteur oder Journalist. Ich mache halt Nachrichten, also das, was aktuell in der Ukraine abgeht zum Beispiel. Ich sammle die ganzen Sachen zusammen und schreibe dann die Nachrichtentexte.

Sind Sie dann selber auch bei der Übertragung mit dabei?

Ich bin beim Hörfunk und schreibe die Nachrichten zum größten Teil. Also man muss das ja sichten, man muss die Nachrichten schreiben und zusammenstellen, und für die Sendung gibt es dann einen Sprecher oder Redakteur.

Der Aufwand hinter dem Ganzen ist viel größer. Da ist ein ganzes Team immer am Arbeiten für so eine kleine Sendung.

Und Sie sind dann einer der Menschen hinter der Produktion?

Genau, ich bin einer aus dem Team.

Noch mal zurück zum Schreiben an sich: Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?

Das ist immer so eine Mischung. Früher musste ich selbst eine Idee haben, die ich dann dem Verlag angeboten habe. Jetzt ist es schon so, dass wir, der Verlag und ich, einfach reden. Was könnten wir machen? Dann hat vielleicht der Verlag eine Idee, mein Mann hat mal eine gute Idee oder meine Schwester, und irgendwann heißt es dann ach ja, daraus könnte man was machen, und dann fängt man an zu recherchieren. Und dann plant man, bevor man anfängt zu schreiben, welche Figuren denn dazu passen, wie kriege ich die Figuren zum Leben, und wenn das alles so klappt, dann schreibe ich weiter.

Sind Ihre Figuren dann immer rein fiktiv –

Ja.

– oder gibt es auch mal Charaktere oder Charakterzüge aus Ihrer Familie oder Ihrem Freundeskreis?

Es gibt ja gar nicht so viele Charaktereigenschaften, deshalb können sich immer mal wieder Leute erkennen. Wenn eine Figur denselben Mund hat oder dieselbe Haarfarbe, das kann schon mal passieren. Aber ich benutze keine Leute als Vorlage, ich benutze meine Erfahrung. Ich weiß, wie sich manche Sachen anfühlen und wie die aussehen, ich benutze meine Lebenserfahrung. Ich denke, das ist auch die Aufgabe eines Schriftstellers. Das er nicht autobiografisch schreibt, sondern dass er wirklich auch fiktiv schreiben kann.

Sind Sie in erster Linie Redakteurin oder Schriftstellerin?

Eigentlich bin ich in erster Linie Autorin. Aber im Grunde habe ich zwei Jobs, also ich bin auch noch Bloggerin, ich habe ja so einen Fahrradblog über Stuttgart, das ist ja auch so eine Form von Veröffentlichung. Ich bin gern Autorin, aber ich freue mich eigentlich, dass ich nicht nur Autorin bin. Dass ich noch ein anderes Leben hab, dieses ganz normale Leben eben. Dieses sich mit Leuten auseinandersetzen, dieses Anderssein begründet ja auch die Lebenserfahrung.

Es gibt ja mittlerweile im Internet so Plattformen wie hier-schreiben-wir oder Wattpad, wo man selbst (mit)schreibt und die Leute konsequent mitlesen können, jeden Abschnitt, jedes Kapitel. Halten Sie das für sinnvoll?

Ich glaube, dass alles sinnvoll ist. Also, wenn man jetzt aufs Buch zielt, ist es sicherlich schwierig, aber wenn man schreiben will und sich äußern will, ist es eigentlich egal, was man schreibt. Ich finde, das Internet ist eine wunderbare Möglichkeit und die sollte auch ganz dringend genutzt werden. Zum Beispiel könnte man einen Blog machen, auf dem regelmäßig eine Geschichte forterzählt wird, wo dann die Leser immer kommentieren können, was gefällt und was eben nicht. Ich finde, jeder, der die Kraft zu so einem Experiment hat, sollte das auch machen. Man übt halt damit. Man steckt aber auch sehr viel Arbeit da rein und bekommt kaum etwas heraus, und dass da mal mehr draus wird, dass man Schriftsteller wird, damit kann man ja nicht rechnen. Und man verdient damit auch nichts bis sehr wenig, vielleicht mit Werbeeinnahmen ein bisschen. Die aller-allermeisten Autoren in Deutschland haben noch einen anderen Job. Man kann nicht davon leben. Es sei denn, man trifft so einen Stil, den ganz viele Leute mögen, aber das ist eher so die Seltenheit.

Ich finde die Leute auch sehr mutig, die so schreiben. Aber sie sammeln so eben auch Erfahrung.

Gibt es irgendwas, was Sie in Ihrem Leben schon immer mal machen wollten, irgendein Ziel, das Sie noch nicht erreicht haben?

Das kann ich jetzt so nicht sagen. Nein, nicht wirklich, nee.

Also Sie sind so zufrieden, wie es jetzt ist?

Ja… Ja, doch, ja.

Okay, das sind dann schon alle Fragen gewesen, die ich hatte. Vielen Dank für –

Wir hatten uns per Mail doch darauf geeinigt, dass wir uns duzen, oder?

Ja, doch. Ich wollte nur sichergehen…

Autoren sind doch auch nur Menschen.

Stimmt… Also, dann vielen Dank für Deine Zeit und das Gespräch, Christine.

Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend.

Gern geschehen. Ich Dir auch.

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